Gestern Abend führte mich mein Weg noch einmal durch das Augebiet. Als ich an einer der Ausbuchtungen vorbeikam, von denen man eine Halbinsel von der Seite betrachten kann, bemerkte ich im peripheren Bereich meines Sehens plötzlich die Bewegung eines weißen Flecks in der dichten Vegetation des Ufers. Dort, im Gestrüpp, bewegte sich ein Seidenreiher (Egretta garzetta), auf der Suche nach Futter.




Es war ein faszinierender Anblick. Trotz meiner ständigen Beschäftigung und Aufmerksamkeit hatte ich noch nie einen Seidenreiher erlebt – weder hier noch sonst irgendwo. Für ein paar Minuten konnte ich beobachten, wie er auf einem Bein stand und das andere im Wasser schüttelte, um essbares Getier aufzuscheuchen.
Die Bilder mögen nicht nach klassischen Maßstäben perfekt sein. Wenn man aber durch reinen Zufall an einem dieser seltenen Wesen in der Wildnis vorbeikommt – nicht im Tierpark, sondern an einem Ort, an dem mit dieser Vogelart überhaupt nicht zu rechnen ist, dann verlieren ein unruhiger Hintergrund und ein paar unscharfe Äste im Vordergrund jegliche Bedeutung. Meiner Empfindung nach tragen sie sogar noch dazu bei, den Moment so festzuhalten, wie er war.
Solche Situationen geschehen oft nicht im Zentrum unserer Aufmerksamkeit, sondern an seinen Rändern. Dort, wo wir nicht gezielt hinschauen, in den diffusen Bereichen unseres Bewusstseins. Das periphere Sehen wurde in diesem Moment zum Tor für eine Erfahrung, die mehr war als bloße Beobachtung. Vielleicht liegt in der Peripherie jener Bereich, in dem das Unerwartete, das Ungeplante und das nicht Kontrollierte Raum findet und darauf wartet, gefunden zu werden.
Mehr Informationen zu Seidenreihern: https://de.wikipedia.org/wiki/Seidenreiher

