Letzte Woche habe ich ein paar Tage im Salzkammergut, genauer in Traunkirchen am Traunsee verbracht. Kein Ziel, das ich mir bewusst ausgesucht hätte, aber ich war dennoch dort. Schon bei der Anreise, als ich den Ort erblicken konnte, war mir klar, dass es dort Geschichte zu entdecken gibt.
Das Dorf Traunkirchen befindet sich auf einer Halbinsel, die in den Traunsee hineinragt. Es gibt dort ein Kloster und direkt daneben steht ein Felsen mit einer Kapelle. Das sind drei Anhaltspunkte, die mir schon im Vorfeld verraten, dass es dort vorchristliche Geschichte gibt
Am ersten Tag hatte ich Zeit, um am Ufer entlang zu wandern und den Felsen zu besteigen. Ich hatte recht. Der Felsen, Odinstein oder Johannesberg genannt, dicht mit Eiben bewachsen war nachweißlich eine heidnische Kultstätte. Das Kloster bedeckt den Boden, der schon zur Bronzezeit vor 2800 Jahren eine Siedlung war.
Die hier gezeigten Fotos sind an einem Platz entstanden, wo sich die Hügelgräber dieser Menschen befanden und wo wahrscheinlich immer noch so manch bronzezeitlicher Körper begraben liegt. Ob verbrannt oder nicht.
Wann immer ich mich an solchen Orten befinde, fange ich ganz automatisch damit an, mir Gedanken darüber zu machen, wie das damals gewesen sein könnte. Als moderner Mensch mit meiner Kamera in der Hand habe ich natürlich keine Ahnung davon. Wovon ich aber Ahnung habe, wie wir alle, sind Emotionen, Ängste, Freuden… Vor 2800 Jahren hat hier ein Mensch gelebt, der geboren wurde, aufgewachsen ist, zusammen mit anderen Familienmitgliedern gegessen, gearbeitet und geschlafen hat. Der Mensch hatte Hoffnungen, empfand Liebe, hatte Srorgen um seine Kinder… Alles Dinge, die sich bis zum heutigen Tag nicht verändert haben und die sich nicht verändern können, weil es Dinge sind, die unsere Existenz ausmachen.
So stand ich an diesem Ort, den Blick über den See hinauswerfend, wie es vor 2800 Jahren ein Mensch gemacht hat und bin damit auf diese Art mit der prechristlichen Geschichte verbunden, ohne Details zu kennen. Ein Mensch von vor 2800 Jahren und ich teilen einen Moment, indem wir in die gleiche Richtung schauen und dort stehend darauf warten, dass die Sonne aufgeht.